„Die Schwarze Fledermaus“ feiert 80. Geburtstag mit vier neu übersetzten Romanen und einem beeindruckenden Bildband

Ziemlich genau 80 Jahre ist es nun her, dass die Schwarze Fledermaus erstmals ihre Schwingen ausbreitete und der Chicagoer Unterwelt das Fürchten lehrte, in der 1939er Juliausgabe des US-Magazins „Black Book Detective“. Erst 1960 kam die Fledermaus dann auch nach Deutschland, als Band 100 der Heftromanreihe „Pabel Kriminalroman“.

Vor ein paar Jahren hat die Schwarze Fledermaus nun ihre Heimat beim BLITZ-Verlag gefunden, wo die amerikanischen Originalromane in neuer Übersetzung erscheinen, erstmals vollständig und ungekürzt. Gerade jüngst wurde die Reihe um vier Romane ergänzt.

Dr. Nicolaus Mathies berät den BLITZ-Verlag in Sachen Schwarze Fledermaus und hat selbst zum Jubiläum der Serie einen ansprechenden Bildband veröffentlicht. Der BLITZ-Blog sprach mit ihm über die besondere Faszination des Romanklassikers.

BLITZ: Wie und wann fand Ihre erste Begegnung mit der „Fledermaus“ statt?

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G. W. Jones | Prophet des Todes | Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati

Mathies: Meine erste Begegnung mit der „Schwarzen Fledermaus“ erfolgte noch zu meiner Schulzeit. Ich hatte seinerzeit angefangen, „John Sinclair“ zu lesen und wurde seitens meines Vaters auf eine Serie aus seiner Jugendzeit aufmerksam gemacht: „Die Schwarze Fledermaus“. Natürlich war diese Serie schon lange von den Zeitungskiosken verschwunden und so konnte ich nach einigem Suchen ein erstes Exemplar im oberen Nummernbereich in einem Romanheftladen finden. Heftromanläden gab es damals noch einige und so hatte ich auch bald Hefte aus dem unteren Nummernbereich erwerben können, die das typische schwarze Layout mit dem Fledermaussymbol auf der Titelseite hatten.

BLITZ: Haben Sie einen Lieblingsband der Reihe?

Mathies: Einer meiner Lieblingsbände ist die Nummer 123: „Schach der Schwarzen Fledermaus“ und natürlich die Nummer 100: „Die Fledermaus schlägt zu“.

BLITZ: Die Gauner in den Fledermaus-Romanen hecken ja oft absurde Pläne aus, um der Polizei ein Schnippchen zu schlagen. Welche Geschichte finden Sie am abgedrehtesten?

Mathies: Bei der grossen Anzahl von Fledermaus-Romanen ist es nicht ganz einfach einen Top-Favoriten auszuwählen. Mir persönlich gefallen die Romane gut, bei denen
die Gangster versuchen, der Schwarzen Fledermaus eine Falle zu stellen und dies natürlich nicht funktioniert, wie zum Beispiel Band 216: „Gemeiner als Mord“.

BLITZ: Was stellt Ihrer Meinung nach den Reiz der Reihe dar, dass sie auch heute noch, 80 Jahre nach den Anfängen in den USA, ihre Leser findet?

Mathies: Der Reiz der Serie liegt meiner Meinung nach in dem Verhältnis Quinn/McGrath zu der Zeit, als der Kommissar nur geahnt hat, dass Quinn in der Maske der Fledermaus unterwegs ist. McGrath versucht ein ums andere Mal, Quinn zu überführen und scheitert doch jedes Mal. Immer dann, wenn er jedoch eine Chance hat, passiert etwas Unvorhergesehenes und Quinn kann gerade noch entkommen. Dieses Verhältnis lebt in den neu geschriebenen Romanen, die im BLITZ-Verlag veröffentlicht werden, weiter und macht dadurch aus meiner Sicht die Einzigartigkeit der neuen Romane aus.

BLITZ: Was macht in Ihren Augen den größten Unterschied zwischen den amerikanischen Romanen und den Romanen, die für Pabel von deutschen Autoren geschrieben wurden, aus?

Mathies: Meiner Meinung nach sind die alten US-Romane etwas „ungeschliffener“ als die Romane der deutschen Autoren. Der damalige US-Zeitgeist spiegelt sich recht gut in
Sprache, Handlung, Verhalten der Charaktere und den Schauplätzen wieder. Dafür wurden die deutschen Romane im Nummernbereich bis ca. Nummer 500 deutlich
„filigraner“, was sich unter anderem in einem viel durchdachteren Handlungsaufbau widerspiegelt.

BLITZ: Wie kam die Idee zum Bildband auf?

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Dr. Nicolaus Mathies präsentiert stolz seinen Bildband zu 80 Jahren „Schwarze Fledermaus“.

Mathies: Die Idee zu dem Fledermaus-Bildband hatte ich schon seit Jahren und diese gewann immer mehr an Bedeutung, je mehr Fledermaus-Veröffentlichungen ich zusammentragen konnte. Als dann der BLITZ-Verlag schließlich das Lonati-Erbe erworben hatte und ich die Fledermaus-Bilder bekam, wollte ich die phantastischen Titelillustrationen gerne einem größeren Fankreis zugänglich machen. Und mit Herrn Kaegelmann war dies dann dankenswerter Weise schließlich auch möglich.

BLITZ: Wie stellte sich die Recherche dar? Besitzen Sie selbst eine so umfassende Fledermaus-Sammlung?

Mathies: Mit den ersten Fledermaus-Heften aus dem Pabel-Verlag war mir der Umfang des Fledermaus-Universums natürlich nicht klar. Im Lauf der letzten 20 Jahre konnte ich immer wieder interessante Veröffentlichungen der Fledermaus finden, so dass ich heute im Besitz aller in dem Bildband abgebildeten Veröffentlichungen bin: angefangen von den Heften aus dem Pabel-Verlag über Taschenbücher, Leihbücher, Titelbilder, Sammelbände, amerikanische, britische und schwedische Ausgaben bis hin zu den neuesten Veröffentlichungen im BLITZ-Verlag.

Die neu übersetzten Abenteuer der „Schwarzen Fledermaus“ können über den Shop des BLITZ-Verlags bezogen werden.

Dr. Nicolaus Mathies‘ Bildband kann auf der Seite www.romanhefte-info.de bestellt werden. Eine Softcover-Ausgabe soll Ende des Jahres beim BLITZ-Verlag erscheinen.