Achim Mehnert 14.11.1961 – 7.11.2018

Der Versuch, einen Nachruf zu schreiben, ist mir am gestrigen Tage nicht gelungen. Ich habe vor der Tastatur gesessen und immer darauf wartet, dass Achim an die Scheibe meines Bürofensters klopft, so wie er es in den letzten Jahren oft getan hat. Niemand sonst außer Achim hat das getan. Kräftig, damit ich es auch höre, denn manchmal hielt ich mich auch in den hinteren Räumen auf. Doch meist war ich in direkter Nähe und habe mich regelmäßig erschrocken. Man kann nur für Sekunden sehen, wenn jemand auf den Verlag zusteuert. Hat Achim geklopft, war nur seine Hand zu erkennen. Manchmal hielt er sein neues Buch – wenn es kein Promet-Roman war – in die Luft. Das hat er mir dann geschenkt. Er hat auch geklopft, damit ich etwas für ihn ausdrucke, um ein neues Projekt für Promet durchzuarbeiten, oder nur mal so, zum Reden.

Im April ist es vier Jahre her, als Achim von Köln nach Windeck in direkter Nähe zum Verlag zog, seitdem waren wir zusammen auf vielen Cons und Verkaufsveranstaltungen. Wir haben bereits locker für das Jahr 2022 geplant. 60 Jahre Achim, 50 Jahre Promet, 40 Jahre Colonia-Con. Und wir haben uns so richtig darauf gefreut. Nun ist der wichtigste Teil dieses Plans zusammengebrochen. Eine Woche vor seinem 57. Geburtstag ist Achim verstorben.

Kennengelernt hatten wir uns irgendwann auf einem Con Anfang der Achtziger. Ich kann mich nicht mehr erinnern, Achim schon. Es muss zu der Zeit gewesen sein, als ich noch eine Druckerei hatte, denn ich bot Achim an, sein Fan-Magazin zu drucken. Doch mit meinen langen Haaren und meiner zerschlissenen Lederjacke war ich Achim, so sagte er mir einmal, reichlich unheimlich. Er hat abgelehnt.

Nicht abgelehnt hat er viele Jahre später das Angebot von mir und Rainer Zubeil (Thomas Ziegler), als Autor in der Serie Promet-Neue Abenteuer mitzuwirken. Promet ist er zwanzig Jahre als Autor bis zu seinem Tod treu geblieben. Und Achim war noch nie so gut wie jetzt. „Du hast einen echten Lauf“, habe ich noch vor Kurzen zu ihm gesagt, und Achim hat eifrig genickt.

Mit Achim habe ich einen echten Freund verloren und für den Verlag ist Achim schlicht und einfach nicht zu ersetzen.

Als ich vor knapp zwei Jahren einen Nachruf auf Winfried Brand, der ebenfalls für meinen Verlag gearbeitet hat, in Achims Blog schrieb, meinte Achim: „Gut gemacht, Jörg, nicht zu ersetzen, das musst du in einem Nachruf auch mal für mich schreiben.“

Verdammt, Achim, das musste ich jetzt tatsächlich schweren Herzens tun. Bitte tu mir auch noch einen letzten Gefallen: Klopf noch einmal an mein Bürofenster. Egal wie kräftig.

Jörg Kaegelmann