„‚Instabil‘ genieße ich sehr, weil ich mich da sprachlich austoben kann.“| Teil 3 eines Interviews mit Fantasy- und Thriller-Autor Sam Feuerbach

Im dritten Akt unseres Interviews mit Sam Feuerbach (Die „Krosann-Saga“; Der „Totengräbersohn“; „Instabil“) verrät der Autor uns, wie man beim Schreiben einer rasanten Zeitreisegeschichte den Überblick behält, was er für die Zukunft plant und welche Autoren ihn in seinem Schaffen beeinflusst haben.

BLITZ: Wenn man die gesamte „Instabil“-Trilogie liest, passiert ja unheimlich viel. Es ereignet sich immer wieder etwas in der Vergangenheit, was Auswirkungen auf die Zukunft hat. Wie behältst Du da den Überblick, hast Du 10.000 Post-Its über Deinem Schreibtisch hängen?

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Sam Feuerbach & Thariot | Instabil – Die Zukunft ist Schnee von gestern | ISBN 978-3-946502-53-1 | Cover: Mark Freier

Feuerbach: Das ist im Grunde genommen sehr granular festgelegt mittels MindMap, mit der wir natürlich dann beide arbeiten. Thariot bricht so ein Buch mit 35 Kapiteln runter, jedes Kapitel hat ungefähr 10 Seiten, jedes Kapitel hat vier Szenen, jede Szene hat 2 ½ Seiten, und dann wird das zusammengeschrieben, konzipiert und dann hat man wirklich eine klare Vorgabe und fällt dann hoffentlich nicht in irgendwelche Logikfallen rein. Das macht das Ganze stimmig. Ich glaube, so einen komplexen Zeitreise-Roman könnte ich mit meinem Discovery-Writing nicht schreiben, da würde ich mich verheddern. In den Zeitsträngen wirklich im wahrsten Sinne des Wortes verheddern.

BLITZ: Das heißt, Ihr habt Euch prima ergänzt!?

Feuerbach: Definitiv. Wir ergänzen uns gut. Sonst hätten wir auch nicht schon sechs Bücher miteinander geschrieben. Mit großem Spaß und zum Glück auch mit tollem Erfolg.

BLITZ: Bringt Euch der Erfolg dazu, auch noch eine dritte Trilogie anzugehen?

Feuerbach: Ja, das wollen wir auf jeden Fall machen. Wir sind da noch in der Abstimmung. Wir werden frühestens 2019 damit anfangen.

BLITZ: Was kommt dann für Dich nun als nächstes, nachdem Du den „Totengräber-Sohn“ abgeschlossen hast?

Feuerbach: Der „Totengräbersohn“ wird jetzt abgeschlossen, der vierte Teil wird am 1. November erscheinen. Danach beginne ich eine neue Saga, da habe ich mir schon einiges dazu überlegt, zu aller Überraschung eine Mittelalter-Fantasy-Saga, das schreib ich am liebsten. Das merk ich, das liegt mir. Deswegen werde ich auch in diesem Genre weiterschreiben. Die Ausflüge mit Thariot ins Jahr 2024 und jetzt ins Jahr 2018 mit dem Zeitreise-Thriller, die genieße ich sehr, weil ich mich da sprachlich austoben kann, da kann man dann schreiben: „Ihre Stimme klang wie eine Kreissäge“ oder sowas. Das geht in einem Mittelalter-Roman nicht. Nichtsdestotrotz ist Mittelalter-Fantasy mein Hauptgenre, deswegen wird meine dritte Saga auch in dieser Zeit spielen und wird sich auch im Stil nicht so sehr von der „Krosann-Saga“ und dem „Totengräbersohn“ unterscheiden. Die Geschichte ist natürlich ganz neu und die Figuren werden auch ganz neu, ich denke, dass ich da unverbrauchte Charaktere zum Leben erwecke und da freue ich mich schon sehr drauf.

BLITZ: Du sagst, Du hast in Deinem Leben viele Fantasy-Romane gelesen. Bei „Instabil“ hat man das Gefühl, dass Ihr auch stark durch moderne Film- und Fernsehunterhaltung beeinflusst seid. Man hat das Gefühl, dass es in Eurem Roman ofts Pendants zu schnellen Schnitten oder Überblendungen in Fernsehserien à la Netflix gibt. Oder habt Ihr Euch doch in erster Linie durch andere Autoren beeinflussen lassen?

Feuerbach: Ich denke, ich habe mich mehr von anderen Autoren beeinflussen lassen, Thariot ist mehr durch Hollywood und Fernsehserien beeinflusst. Thariot ist ein Bildermensch und kann diese Bilder gut in leicht verständliche Worte umsetzen und seine Romane lesen sich alle wie ein spannender Action-Film. Das ist seine Art zu schreiben. Ich find das wirklich klasse. Das kommt mehr von ihm. Ich denke, bei meinen Fantasy-Romanen ist das etwas weniger vorhanden. Ich versuche das auch immer auf jeder Seite spannend zu gestalten, aber ich liebe auch ruhigere Passagen, während es bei „Echtzeit“ und „Instabil“ ja fast immer abgeht.

BLITZ: FanPro-Verleger Werner Fuchs meinte ja auch: „das ist alles gut verfilmbar“. Ich kann es mir auch super als Film vorstellen. Gab es schon Anfragen?

Feuerbach: Schön wärs. Wir haben jetzt aber schon einen ersten Schritt in Richtung Multimedia getan. „Instabil 1“ ist als Hörbuch entstanden. Da steckt ein kleines Hildener Haus dahinter, aber aufgenommen wurde es in einem Düsseldorfer Tonstudio. Da bin ich gespannt, wie das ankommt. Das müsste eigentlich in diesen Tagen erscheinen, als Hörbuch vom Verlag „KopfKino“. Der Geschäftsführer hat das Buch auch selbst eingelesen. Ich finde, der macht das prima, er hat auch eine gute Stimme. Ich bin neugierig, wie es ankommt. Meine Fantasybücher sind alle von Robert Frank gesprochen worden und die sind bei Audible durchaus sehr erfolgreich. Der macht das auch ganz toll.

BLITZ: Deine Figuren sind ja alles keine klassischen Helden, sondern mehr, wie Du schon sagtest, Antihelden, die nicht die Action suchen, sondern durch bestimmte Ereignisse hereingezogen werden. Ist das eine bewusste Herangehensweise an Deine Figuren oder hat sich das eher zufällig ergeben?

Feuerbach: Ich denke mal, eine unbewusst-bewusste Herangehensweise. Mein allererster Protagonist, der dicke Prinz Karek, den habe ich bewusst als Antiheld aufgebaut, weil ich diese klassischen Helden einfach nicht mehr sehen und lesen kann. Und die Auftragsmörderin ist ja auch eine absolute Antiheldin. Der Held aus „Instabil“, Patrick Richter, ist im Grunde genommen ein absoluter Durchschnittsmensch, ohne viel Ehrgeiz, mit durchschnittlicher Intelligenz, der aber dann in diese Zeitreisegeschichte reinstolpert und über sich hinauswachsen muss. Und das tut er. Er entwickelt sich extrem gut, und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass die Figuren sich innerhalb eines Romans entwickeln. Dass die immer dazulernen, immer für Überraschungen sorgen, und das gelingt diesem Patrick Richter. Und ich glaube, dass der Leser durch solche Figuren auch besser mitgenommen wird, weil diese Helden sehr authentisch rüberkommen. Klar ist es einfach, den Superkrieger zu zeichnen, der alle mit einer Hand umhaut, der praktisch fast unbesiegbar ist. Aber das ist irgendwie nicht mein Ding. Meine Helden sollen schon vielschichtiger sein und die Leser durch ihre Normalität überzeugen und im Laufe des Romans wachsen die dann und überraschen den Leser dann hoffentlich immer wieder. Patrick Richter ist ein ganz durchschnittlicher Bursche, man merkt aber schnell, dass er doch viel mehr auf dem Kasten hat.

BLITZ: Was vielleicht schon immer in ihm geschlummert hat und dann durch die Ereignisse ans Tageslicht kommt.

Feuerbach: Was vielleicht in jedem von uns schlummert.

BLITZ: Du sagtest eben, Du hättest in Deinem Leben hunderte Fantasy-Romane gelesen. Gab es da Autoren, die Dich besonders beeinflusst haben.

Feuerbach: Robert Asprin finde ich sehr gut. Er hat eine Reihe über Dämonen geschrieben. Ganz anders als beim „Totengräbersohn“, aber was ich an ihm besonders schätze, ist sein Humor. Das ist so augenzwinkernd erzählt, das liebe ich. Dann George R.R. Martin natürlich. Wie er die Figuren entwickelt, wie er mit aller Gelassenheit über Hunderte von Seiten Szenarien aufbaut und sie dann am Schluss entknotet, das ist fantastisch. Die Dialoge von ihm sind brillant. Joe Abercrombie finde ich auch sehr gut, der hat eine wahnsinnige, wuchtige Ausdrucksweise, die Kraft der Worte bei Abercrombie hat es mir sehr angetan. Die drei finde ich sehr gut.

BLITZ: Der Übergang, den Du vor 1 ½ Jahren gemacht hast, vom Hobby-Autor zum Vollzeit-Autor, wie hat der sich abgespielt? War das ein großer Schritt?

Feuerbach: Der Schritt war auf jeden Fall sehr groß. Das sollte sich jeder Autor gut überlegen. Die wenigsten Autoren können von dem Geld, das sie durch die Bücher einnehmen, leben. Das ist einfach so. Das habe ich mir auch lange überlegt, nämlich drei Jahre lang. Ich bin ja auch nicht mehr Ende 20 und habe in meinem Leben schon die ein oder andere Rücklage gebildet, um eine gewisse finanzielle Sicherheit zu haben. Mit Frau und drei Kindern sollte man das tun, bevor man so eine Entscheidung trifft. Dann hatte ich natürlich den tollen Erfolg durch die „Krosann-Saga“ und dachte, wenn ich das wiederholen kann, dann ist sowieso alles gut. Wenn das alles so weiterläuft, dann ist doch alles prima, dann sollte ich doch meinen Traum zum Beruf machen. Und irgendwann war es dann soweit, dass ich nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit zu meinem Chef gegangen bin und gesagt habe: „Hör mal, ich kündige jetzt. Ich schreib jetzt nur noch Bücher.“ Der konnte es erstmal nicht glauben. Aber ich habe das durchgezogen und glücklicherweise ist meine zweite Saga, die zu dieser Zeit erst entstanden ist, nämlich der „Totengräber-Sohn“, ein Riesenerfolg geworden.

BLITZ: Also, alles richtig gemacht.

Feuerbach: Ja, im Nachhinein schon. Das kann ich jetzt schon, nach 1 ½ Jahren, sagen. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich das noch nicht. Es hätte ja auch sein können, dass die zweite Saga nicht so gut angekommen und dass die „Krosann-Saga“ nur ein zufälliger Erfolg gewesen wäre. Es gibt kein Erfolgsrezept ein Buch zu schreiben, das die Leser lieben. Das suchen Autoren seit 200 Jahren. Aber letztlich entscheiden die Leser.

BLITZ: Möchtest Du noch etwas loswerden?

Feuerbach: Was ich immer gerne loswerde, ist ein riesengroßes Dankeschön an die Leser und auch Hörer und an diejenigen, die sich die Mühe machen, zu rezensieren. Was wäre ein Autor ohne die Leserschaft. Danke schön!

BLITZ: Danke auch für das Gespräch.

Die „Instabil“-Trilogie ist u.a. im Shop des BLITZ-Verlags erhältlich.

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