„Ich schreibe drauf los und gucke, wo mich meine Figuren hinführen.“ | Teil 2 eines Interviews mit Fantasy- und Thriller-Autor Sam Feuerbach

Im zweiten Teil unseres Interviews mit dem Düsseldorfer Fantasy- und Thriller-Autor Sam Feuerbach erfahren wir mehr über seinen Weg vom reinen elektronischen Publizieren bis hin zur Zweitverwertung seiner Romane als Druckwerk, über seine Zusammenarbeit mit dem Science-Fiction-Autor Thariot zwischen Düsseldorf und Malta und wie viel von Feuerbach in seinem „Instabil“-Protagonisten Patrick Richter steckt.

BLITZ: Dein Faible dafür elektronisch zu publizieren hat dazu geführt, dass Du letztes Jahr auf der Shortlist gelandet bist, für den Kindle Storyteller Award. Wie ist es dazu gekommen?

Feuerbach: Das ist ja eine Geschichte, die Amazon im Grunde genommen aussucht. Sämtliche Bücher, die zwischen Mai und Juli hochgeladen werden und an diesem Storyteller Award teilnehmen möchten, werten die aus und kreieren dann eine Shortlist. Das ist in Deutschland also der höchstdotierte Preis für Self-Publisher und da war ich unter den letzten fünf. Die Preisverleihung hat auf der Frankfurter Buchmesse stattgefunden. Das war ein tolles Erlebnis, ich habe mich gefreut, dass ich mit dem zweiten Band meiner zweiten Saga, „Der Totengräbersohn“, daran teilnehmen durfte, weil bislang es noch kein zweiter Band in die Endauswahl geschafft hat, sonst immer nur erste Bände.

BLITZ: Wodurch kam dann doch der Punkt, an dem Du sagtest, jetzt versuch ich es mal im Print, auf klassischen Wege meine Bücher in gedruckter Form zu vertreiben?

Feuerbach: Das habe ich schon relativ früh gemacht. Amazon, bzw. die Tochter CreateSpace, bietet ja „Print on Demand“-Lösungen an. In dem Moment, in dem der Kunde das gedruckte Buch bestellt, wird es in Leipzig gedruckt und ihm dann geschickt. Als Autor verdient man an solchen Büchern wenig, nichtsdestotrotz ist es eine einfache Möglichkeit, Print-Bücher zur Verfügung zu stellen, die mich nichts kostet. Denn nicht jeder will ein E-Book lesen, nicht jeder hat einen Kindle. Viele wollen wirklich auch das Papier in den Händen haben. Von daher habe ich relativ schnell alle meine Taschenbücher als Print-on-demand-Bücher angeboten. Das war der einfachste Weg. Inzwischen habe ich die alle umgestellt. Z.B. für die „Instabil“-Trilogie haben wir einen Verlag gefunden, in dem Fall den Verlag „Rocket Books“, ein Label des BLITZ-Verlags und von FanPro. Die haben die Print-Bücher als broschierte Version herausgebracht, sehr schön produziert. Für meine Fantasy-Romane habe ich einen Eigenverlag gegründet, mit meinem Sohn zusammen, „bene Bücher“. Diese Bücher verkaufe ich entweder in meinem Webshop, unter benebuecher.de, oder bei Amazon: Ich beliefere Amazon und die verkaufen dann die Printbücher.

BLITZ: Du hast ja eben erzählt, dass Du und Thariot Euch schon ganz lange kennt. Nun habe ich in seiner Vita gelesen, dass er nicht gerade in der Nähe wohnt. Wie funktioniert denn da die Zusammenarbeit? Ihr müsst doch vor einem neuen Band sicher ein gemeinsames Brainstorming machen. Wie macht Ihr das auf die weite Distanz?

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Sam Feuerbach & Thariot | Instabil – Die Gegenwart ist nur ein Kartenhaus | ISBN 978-3-946502-52-4 | Cover: Mark Freier

Feuerbach: Also, Thariot wohnt inzwischen auf Malta und wir machen das einfach so, dass wir zum Plotten zusammenkommen. Ab und zu ist er hier, aber noch öfter bin ich auf Malta. Dann fahr ich eine Woche hin und wir setzen uns nebeneinander und plotten dann einen kompletten Band durch. Er ist ein absolutes Plot-Genie. Er kann dann wirklich von Kapitel 1 bis zu Kapitel 35 festlegen, was an rotem Faden passiert, mit überraschenden Wendungen, mit allem Drum und Dran. Mit der Auflösung am Schluss usw. Der macht das dann immer mit Mindmap. Wir setzen uns nebeneinander und fangen dann wirklich an mit Kapitel 1 und ziehen das bis zum allerletzten Kapitel durch. Ich hingegen kann überhaupt nicht plotten. Ich bin mehr so ein Discovery-Writer, so nenne ich das, ich schreibe einfach drauf los und gucke mal, wo mich dann meine Figuren hinführen. Ich bin selbst manchmal überrascht, was die alles so anstellen. Aber wenn man zu zweit schreibt und gerade so komplexe Zeitreise-Geschichten, da bedarf es eines Plots. Da muss man unbedingt das Ganze vernünftig durchkonzipieren, sonst trifft man ganz schnell auf irgendwelche Logikfallen. Und so klappt das gut, denn letztlich weiß jeder, was in welchem Kapitel vorkommt. Zumindest gibt es immer einen Eingangspunkt für mich und einen Ausgangspunkt. Was ich innerhalb eines Kapitels anstelle, da ist Thariot immer relativ entspannt. Hauptsache, ich treffe den Ausgangspunkt, um dann nicht die gesamte Plotlinie zu zerschießen.

BLITZ: D.h., ihr teilt Euch die Handlungsstränge auf?

Feuerbach: Genau, das Ganze ist ja wie jeder Roman von Thariot und wie jeder Roman von Sam Feuerbach perspektivisch geschrieben. D.h. immer pro Kapitel eine Perspektive. Wir schreiben gerne perspektivisch, weil man dann die Gedanken und Gefühle der Protagonisten und Antagonisten dem Leser einfach authentischer rüberbringen kann. Wir teilen dafür die Figuren auf. Rate mal, wen ich geschrieben habe.

BLITZ: Ich könnte mir vorstellen, dass Du den Patrick schreibst.

Feuerbach: Treffer. Ich schreibe den Patrick. Ich glaube, das merkt der ein oder andere Leser auch, genau wie Du, an der Art des sanften Zynismus und auch der stillen humorigen Art. Das zieht sich durch alle meine Bücher.

BLITZ: In Patrick steckt also ein großes Stück von Dir drin?

Feuerbach: Zumindest mein Humor. Ich habe inzwischen, wenn man die Rezensionen der Hörbücher mitzählt, die bei Audible erschienen sind, um die 14.000 Rezensionen. Es gefällt den Leuten, dass sie immer mal wieder lachen müssen. Ich denke mal, das ist eine Stärke von mir. Was ich erst im Nachhinein durch diese ganzen Rezensionen erfahren habe. Es ist interessant, da gespiegelt zu werden. Da habe ich natürlich auch mehr über meine Schwächen gelernt und so kann man daran arbeiten, diese zu verbessern.

BLITZ: Neben dem Patrick ist ein zweiter, wichtiger Protagonist des Buches die Stadt Düsseldorf.

Feuerbach: Ja, wir haben da auch akribisch recherchiert. Wir sind auch an die Orte gefahren und haben uns das angeguckt. Den Flughafen kenne ich ohnehin sehr gut, auch die Fleher Brücke usw., also das ganze Umfeld, alles, was da so vorkommt, auch wenn wir Häuser beschreiben, dann sehen die auch wirklich so aus. Ich wohne schon immer hier in der Nähe, Thariot hat bis vor drei Jahren 48 Jahre lang in Solingen gelebt, also auch nicht weit von hier, von daher haben wir schon diesen Bezug zur Region und fanden einen Thriller mit Lokalkolorit Düsseldorf mal was Neues. Sowas gibt es nach meinem Wissen noch nicht. Düsseldorf ist ja auch eine schöne Stadt und da ich 20 Jahre lang jeden Tag nach Köln gefahren bin, dachte ich, jetzt muss ich Düsseldorf auch mal etwas Gutes tun.

BLITZ: Dieser Streit zwischen Düsseldorf und Köln scheint im Buch ja auch so ein bisschen durch.

Feuerbach: Du kannst Dir sicher vorstellen, was ich 20 Jahre lang als Fast-Düsseldorfer in Köln mitgemacht habe. (lacht) Das fängt ja schon beim Streit über das Bier an.

BLITZ: Dabei ist der Unterschied zwischen Alt und Kölsch ja gar nicht so groß.

Feuerbach: Der ist gar nicht so groß. Das darf man aber nicht laut … Schalt mal schnell das Aufnahmegerät aus. (lacht)

Erfahren Sie im dritten Teil des Interviews, wie die „Instabil“-Autoren den roten Faden über die verschiedenen Zeitstränge hinweg in den Händen behielten, welche Autoren Feuerbach in seinem Schaffen beeinflusst haben und was der Autor für die nähere Zukunft plant. Die „Instabil“-Trilogie ist u.a. im Shop des BLITZ-Verlags erhältlich.

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