„Ich war erstaunt, wie dehnbar, wie künstlich und wie faszinierend dieser Zeitbegriff ist.“ | Teil 1 eines Interviews mit Fantasy- und Thriller-Autor Sam Feuerbach

Sam Feuerbach ist ein Düsseldorfer Autor, der mit seinen Sagen „Krosann“ und „Der Totengräbersohn“ schon tausende Fantasy-Fans in seinen Bann gezogen hat. Zusammen mit dem Science-Fiction-Autor Thariot hat er zuletzt auch eine Reihe spannender Thriller veröffentlicht. Die neueste Zeitreise-Thriller-Trilogie der beiden befreundeten Autoren ist jüngst bei Rocket Books unter dem Titel „Instabil“ erschienen.

Im Interview verriet uns Sam Feuerbach, welches Verhältnis er selbst zur Zeit hat, wie es zur Zusammenarbeit mit Thariot kam und wie sein Pseudonym Sam Feuerbach entstand …

BLITZ: Prima, dass Du die Zeit für das Interview gefunden hast. Zeit ist ja auch ein wichtiger Faktor in Eurer Trilogie „Instabil“. Hast Du ein besonderes Verhältnis zur Zeit, das Dich inspiriert hat?

Feuerbach: Im Grunde genommen habe ich mir vorher über die Zeit keine konkreten Gedanken gemacht. Umso erstaunter war ich, wie dehnbar, wie künstlich und wie faszinierend dieser Zeitbegriff ist. Und nach und nach wurde mir erst klar, wie sensibel und empfindlich die Zeit auch sein kann. Wenn man in der Vergangenheit die kleinste Kleinigkeit ändert, kann das gravierende Auswirkungen auf die Zukunft haben. Diese Gedanken wurden immer faszinierender und das zieht sich dann durch alle drei Bände durch.

BLITZ: Du hast die Trilogie zusammen mit einem Co-Autor verfasst. Wie kamt Ihr beide denn zusammen?

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Sam Feuerbach & Thariot | Instabil – Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen | ISBN 978-3-946502-51-7 | Cover: Mark Freier

Feuerbach: Genau, ich habe alle drei Bücher mit Thariot zusammen geschrieben. Er ist von Hause aus ein Science-Fiction-Autor. Die Geschichte, wie wir zusammengekommen sind, ist ganz einfach. Wir sind seit über 30 Jahren sehr gut befreundet, haben in drei verschiedenen Firmen zusammen gearbeitet, kennen uns daher privat und beruflich sehr gut und haben auch ungefähr zur gleichen Zeit angefangen, hobbymäßig nebenher zu schreiben. So kam eines zu anderen und wir haben beschlossen: „Lass uns mal etwas zusammen schreiben.“ Angefangen haben wir mit unserer „Echtzeit“-Trilogie. Auch ein Thriller, der in Düsseldorf spielt. Das war unsere erste Trilogie und „Instabil“ ist jetzt unsere zweite gemeinsame Trilogie. Das heißt, wir haben jetzt sechs Bücher zusammen geschrieben.

BLITZ: Magst Du etwas zum Inhalt der „Echtzeit“-Trilogie sagen, ohne zu viel zu verraten?

Feuerbach: „Echtzeit“ ist auch sehr realistisch gehalten, obwohl es im Jahr 2024 spielt. Wir nehmen da so ein paar technische Entwicklungen vorweg, die gerade auf dem besten Wege sind. Man also fast sagen, es ist ein sehr realistischer Thriller von heute, die fünf Jahre machen da keinen großen Unterschied. Es geht um einen Hacker, der sich in sämtliche Hochsicherheitsserver hacken kann und durchaus spannende Abenteuer erlebt.

BLITZ: Wussten Thariot und du schon lange gegenseitig, dass ihr gerne schreibt?

Feuerbach: Ich habe die ersten Bücher von Thariot, ich will nicht sagen lektoriert, aber ich habe ihm geholfen, Rechtschreibfehler auszumerzen, habe mit ihm über die Story diskutiert, habe also seine ersten zwei, drei Bücher so ein bisschen begleitet. Da wir gut befreundet sind, wusste ich von Anfang an von seiner Schreibleidenschaft und 1 ½ Jahre später hat es mich dann auch gepackt, auch, weil er mich immer so ein bisschen angekitzelt hat: „Wenn Du immer so schlau bist, dann schreib doch mal selbst ein Buch.“ Und dann hab ich mich einfach abends nach der Arbeit hingesetzt und an einem Fantasyroman geschrieben: „Die Auftragsmörderin“. So sollte das Buch am Anfang aber gar nicht heißen, sondern „Die Sanduhr“, weil ich eine Idee hatte rund um eine Sanduhr. Das wollte ich niederschreiben. Nachdem ich 300-400 Fantasyromane von diversen Autoren gelesen hatte, war Fantasy für mich das Genre schlechthin. Da habe ich mir gedacht, jetzt schreibe ich mir selbst mal ein Buch, mehr oder weniger für mich. Wie ein Tagebuch, aber immer mit dem Hintergedanken, das kannst Du theoretisch auch veröffentlichen und es andere lesen lassen und so ist dann „Die Auftragsmörderin“ entstanden.

BLITZ: Aber die „Auftragsmörderin“ hat ja einen Helden, den ich irgendwie nicht als Dein Alter Ego sehe. Der ist ja nicht zuletzt ein bisschen dicklich. Ist die Figur trotzdem ein wenig an Dir selbst angelehnt, z.B. durch seinen Humor?

Feuerbach: Mit dem Humor hast Du einen Volltreffer gemacht. Der Rest hat überhaupt nichts mit mir zu tun. Ich wollte von Anfang an keinen Standard-Protagonisten. Nach Fantasy-Maßstäben würde das heißen, einen 2 Meter großen, 1 1/2-Meter breiten Muskelprotz, der das Schwert schwingen kann wie kein anderer. So einen wollte ich nicht. Eher einen Antihelden. Daher habe ich mir diesen verwöhnten, verfressenen, dicklichen Prinz Karek ausgedacht, der sich aber durch zwei Dinge hervortut und extrem von anderen unterscheidet. Zum einen ist er hochintelligent und durchschaut Dinge sehr gut, zum anderen hat er, für mittelalterliche Verhältnisse, fast eine sozial-liberale Einstellung. Das passt eigentlich gar nicht in diese Zeit rein. Ganz im Gegenteil: Durch seine Menschenfreundlichkeit und seine Empathie ist er schon fast ketzerisch in seinem Denken und Handeln und eckt damit natürlich an bei der damaligen Gesellschaft. Doch das macht gerade diesen Charakter aus.

BLITZ: Das bringt dem Leser von heute die Geschichte näher und es wirkt trotzdem nicht unstimmig. Dir gelingt da eine gute Gratwanderung.

Feuerbach: Gratwanderung ist ein gutes Stichwort. Ich kleide das Ganze in ein relativ modernes Sprachgewand. Dazu gab es auch schlechte Rezensionen, die gesagt haben: „Nee, das passt irgendwie nicht zum Mittelalter. Da wurde anders gesprochen.“ Wie da genau gesprochen wurde, das weiß eigentlich kaum jemand. Zum Glück haben 97-98 % der Leser das erfrischend und toll gefunden. Deswegen komme ich auch auf extrem viele positive Rezensionen bei Amazon. Ich habe da wirklich fast nur 4,5- und 5-Sterne-Rezensionen. Das macht mich natürlich froh, dass diese Art, das Ganze so ein bisschen moderner zu gestalten, im Großen und Ganzen doch sehr gefällt.

BLITZ: Du erwähntest gerade die Rezensionen bei Amazon. Gestartet bist Du ja mit reinen E-Book-Veröffentlichungen. Lag Dir als ehemaliger IT-Fachmann das Medium „E-Book“ näher als gedruckte Bücher?

Feuerbach: Im Endeffekt war es Bequemlichkeit, Faulheit, Ich-weiß-nicht-was. Ich habe das erste Buch ja geschrieben, „Die Auftragsmörderin“, obwohl ich eigentlich die Geschichte der Sanduhr erzählen wollte, habe aber dann gemerkt, da komme ich inhaltlich gar nicht hin. Ich musste ja erst mal die Protagonisten und die Antagonisten aufbauen, die Welt, Flora, Fauna, Gebirge, Flüsse, Meere, Orte usw., und habe dann gemerkt: „Irgendwie komme ich nicht voran und bis zu meiner Sanduhr.“ Irgendwann waren dann 400 Seiten geschrieben und Thariot meinte: „Lad das doch schon mal bei Kindle Direct Publishing hoch.“ „Na, okay, wie geht denn das?“ Und dann hat er mir das auf dem Computer gezeigt: „Das ist ganz einfach. Wir müssen dem Ganzen dann noch ein Cover und eine Kurzbeschreibung von 3-4 Sätzen verpassen. Das ist so, als wenn Du eine Datei in den Cloudspeicher hochlädst und Amazon lädt das dann auf eine Produktseite und jedermann kann es kaufen.“ Dann hat meine 15-jährige Tochter mit GIMP ein Cover gemalt, ich habe das dann da draufgeknallt, das Ganze hochgeladen und nach drei Wochen hatte ich 170 Bücher davon verkauft, und ich weiß bis heute noch nicht, wer diese Bücher da gekauft hat, von Sam Feuerbach, den ja überhaupt keiner kennen konnte. Das war faszinierend. Im zweiten Monat waren es dann über 2.000. Irgendwas an dem Cover oder an dem Inhalt hat halt gezündet und da bin ich auch froh. Da gehört auch Glück dazu, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu veröffentlichen.

BLITZ: Und damals ist dann auch das Pseudonym Sam Feuerbach entstanden?

Feuerbach: Ja, ich habe überlegt, ob ich unter Boris Lüdtke, das ist mein bürgerlicher Name, veröffentliche und gedacht: „Nee, das ist ein merkwürdiger Name für einen Fantasy-Autor.“ Okay, als Vornamen hab ich Sam genommen, Sam ist nämlich die Software, um die ich mich über 20 Jahre lang gekümmert habe, für ein deutsches Beratungsunternehmen, und Feuerbach kam von dem Namen der Straße, in der ich wohne, der Elsa-Brändström-Weg. Und aus Brändström habe ich dann Feuerbach gemacht. Das Ganze hat 2 Minuten gedauert und schon hatte ich ein Pseudonym. Und inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.

Erfahren Sie im zweiten Teil des Interviews über Sam Feuerbachs Erfolge im E-Book-Bereich, über eine Autorenpartnerschaft zwischen Düsseldorf und Malta und die Entstehung seines Protagonisten Patrick Richter. Die „Instabil“-Trilogie ist u.a. im Shop des BLITZ-Verlags erhältlich.

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