„Ich schreibe bei jeder Gelegenheit“

In diesem Herbst erscheinen beim BLITZ-Verlag gleich vier Bücher aus der Feder von Autoren-Tausendsassa Andreas Zwengel, der bei zwei dieser Romane auch nach der Abgabe noch einmal tüchtig Hand angelegen musste, um die Geschichten aus einem anderen Universum in die Welt des „Butlers“ zu übertragen. Genug Gründe dafür, uns mit dem vielbeschäftigten Autor über vielversprechende Romanfiguren, militante Marsianer und inspirierende Urlauborte zu unterhalten …

BLITZ: Andreas, Du schreibst u. a. für die BLITZ-Serien „Raumschiff Promet – Die Abenteuer der Shalyn Shan“ und „Der Butler“. Welche Romane und Autoren liest Du selbst, wer hat Dich als Autor beeinflusst und geprägt?

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Andreas Zwengels erste Arbeit für den BLITZ-Verlag: Der Kurzgeschichtenband „BioPunk’d“

Zwengel: Ich mag gerne abgedrehte Bücher von Autoren wie Thomas Pynchon, Tom Robbins, Matt Ruff, Nick Harkaway, Tobias O. Meißner, Neal Stephenson, David Mitchell oder T.C. Boyle. Geprägt haben mich im Laufe der Jahre vor allem Alistair MacLean, Stephen King, Philippe Djian und natürlich Pynchon.

BLITZ: Du schreibst Science Fiction, Horror und Krimis. Welches Genre liegt Dir näher am Herzen?

Zwengel: Ich schreibe am liebsten Geschichten, die in der Gegenwart oder der sehr nahen Zukunft spielen. Bei den Genres selbst bin ich nicht festgelegt, am liebsten mische ich sie ein bisschen miteinander. Die meisten meiner Bücher besitzen Krimi-Elemente oder einen phantastischen Einschlag oder beides.

BLITZ: Zwei der drei neuen „Butler“-Romane waren ursprünglich für die Reihe „Larry Brent“ geschrieben worden, aufgrund des Rechtsstreits wurden die Geschichten für „Der Butler“ umgeschrieben. Wie massiv waren die Umschreibearbeiten?

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Einer von Zwengels drei neuen Butler-Romanen: „Die Insel“

Zwengel: Sie waren auf jeden Fall umfangreicher, als ich es erwartet hätte. Man kann nicht einfach den Namen einer Figur durch einen anderen ersetzen. Zum Beispiel reicht es nicht, den Namen Larry Brent durch Mick Bondye zu ersetzen. Letzterer ist ein Voodoo-Vampir mit speziellen Fähigkeiten, das bedeutet, er wird in bestimmten Situationen ganz anders reagieren, als es ein normaler Mensch tun würde. Er muss weniger Verletzungen fürchten und kann verschiedene Kräfte einsetzen. Außerdem kam in der ursprünglichen Fassung von „Die Insel“ der Butler überhaupt nicht vor, und das darf in seiner eigenen Serie eigentlich nicht passieren. Andererseits habe ich auch vier Bände von „Die Abenteuer der Shalyn Shan“ geschrieben, ohne Shalyn Shan. Wie auch immer, ich musste also für den Butler einen eigenen Handlungsstrang entwickeln, der sich mit dem Aufbau der neuen Organisation beschäftigt, die an die Stelle der PSA treten wird.

Der Rechtsstreit um Larry Brent hat ja insgesamt fünf meiner Romane betroffen, nämlich auch meinen Neustart der Serie „Schattenchronik“. Da die Serien ohnehin zusammengefügt werden sollten, ist bereits geplant, diese drei Romane nach einer entsprechenden Überarbeitung ebenfalls in der Butler-Reihe zu veröffentlichen.

BLITZ: Die drei neuen „Butler“-Romane spielen an Bord eines Kreuzfahrtschiffs, im Wattenmeer und auf Teneriffa. Baust Du eigene Erfahrungen in Deine Romane ein, basieren z. B. die Nebenfiguren, die Du erschaffst, manchmal grob auf Menschen, die Dir mal in der Realität begegnet sind?

Zwengel: Meine Urlaubsorte tauchen schon einmal in den Romanen auf, bei Menschen dagegen bin ich vorsichtiger. Natürlich gibt es Eigenheiten im Verhalten oder im Aussehen, die ich übernehme, oder ich baue einzelne Szenen ein, die ich beobachte, aber nie ganze Personen. Man kann sich also in meiner Gegenwart völlig ungezwungen benehmen.

BLITZ: Für „Raumschiff Promet“ bist Du in einem Kosmos eingetaucht, der bereits eine 40jährige Geschichte aufweist. War es eine große Herausforderung, sich mit Deinen Romanen in die Handlungsstränge eines Klassikers mit einer solch langen Geschichte einzufügen?

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Die Space-Opera geht weiter: „Raumschiff Promet – Die Abenteuer von Shalyn Shan“ Band 7

Zwengel: Ich musste mich innerhalb eines Jahres mit „Ren Dhark“, bei „Schattenchronik“ und bei „Shalyn Shan“ vertraut machen. Das war eine gewaltige Herausforderung. Manchmal wusste ich tatsächlich nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Glücklicherweise hatte ich bei „Promet“ von Anfang an die Vorgabe, mich auf die Ereignisse auf der Erde zu beschränken. Die Weltraumabenteuer von Shalyn Shan schrieb ja Achim Mehnert. Also habe ich mir die alten Romane vorgenommen und mir die Nebenfiguren herausgesucht, die mir besonders gefielen und vielversprechend erschienen. Das waren natürlich die Fledermaus, Michiko, Michael Moses und seine irre Tochter Zizzi. Mit den vieren hatte ich bereits eine Menge Spaß.

BLITZ: Hast Du selbst als Kind bzw. junger Mann schon „Raumschiff Promet“ gelesen?

Zwengel: Nein. Das hätte mir die oben erwähnte Herausforderung sicher etwas erleichtert, aber ich wurde mit Gespensterkrimis, John Sinclair und Tony Ballard großgezogen.

BLITZ: Für den HJB-Verlag schreibst Du an einer Fortsetzungsreihe zum Science-Fiction-Klassiker „Krieg der Welten“. Bist Du generell ein Fan von klassischen Science-Fiction-Romanen à la H.G. Wells, Jules Verne etc.?

Zwengel: Ich mag Steampunk sehr gerne, von daher sagt mir Jules Verne auf jeden Fall zu, und H.G. Wells hat viele tolle Romane geschrieben. Aber bei der Fortsetzung von „Krieg der Welten“ reizte mich gerade der Aspekt, dass die Handlung in der Gegenwart spielt und ich mich mit der Frage auseinandersetzen konnte: Wie würden die Menschen heute auf die Rückkehr der Marsianer reagieren. Wären wir ihnen technisch überlegen? Wieweit ist ihre Technik inzwischen fortgeschritten? Wie würde eine erneute Invasion ablaufen? Außerdem durfte ich eine ziemlich exzentrische Heldentruppe aufbauen, die mir beim Schreiben sehr viel Freude bereitet.

BLITZ: Neben Deinem Output für den BLITZ-Verlag und Deinem „Zweiten Krieg der Welten“, schreibst Du u.a. auch für die Reihe „Ren Dhark“. Wie gelingt Dir dieser große Output? Wie strikt ist Dein Autoren-Arbeitsalltag durchgetaktet?

Zwengel: Kein bisschen. Ich schreibe einfach bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Ich wünschte, ich könnte die Disziplin aufbringen, mich morgens an meinen Schreibtisch zu setzen und mehrere Stunden durcharbeiten zu können, aber dort mache ich dann tausend andere Sachen. Am besten arbeite ich an öffentlichen Orten wie Cafés oder Bibliotheken, vorzugsweise ohne W-Lan.

BLITZ: Die „Geek!“ schrieb kürzlich, Du seist ein Autor, den man im Auge behalten sollte.

Zwengel: Wegen meiner Bücher, hoffe ich. Ich bin auch so schon paranoid genug.

BLITZ: Was dürfen wir in der Zukunft von Dir erwarten?

Zwengel: Ich arbeite immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Momentan sind das ein neuer „Butler“-Band, die Fortsetzung meines Romans „Böser Clown“, der Abschluss vom „Zweiten Krieg der Welten“, eine Krimikomödie und zwei unabhängige Romanprojekte im Phantastikbereich, die auf früheren Novellen von mir basieren.

BLITZ: Vielen Dank für das Gespräch, Andreas!

Zwengel: Sehr gerne.

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